Gerbsäure und Tannine

Es existieren etwa 30 verschiedene Tannine. Die Angst davor, dass die Gerbsäure giftig sein könnte ist zumeist unbegründet: Sie wirkt sogar nachweislich antioxidativ und kann krebshemmend sein. Selbstverständlich verwenden wir für die Fertigung unserer Möbel und Schneidebretter nur Hölzer, die keine giftigen Stoffe absondern!

Was sind Tannine?

Gerbsäure, die auch Gerbstoff oder Tannine genannt wird, ist ein natürlicher Inhaltsstoff von Holz. Er kommt in der Natur in der Rinde und im Holz einiger Bäumen vor. Insbesondere Eiche hat einen hohen Gerbsäureanteil, aber auch in Nussbaum- und Eschenholz sind Tannine enthalten. Es handelt sich dabei um sekundäre Pflanzenstoffe. Diese sind für Pflanzen bzw. Bäume nicht lebenswichtig, aber sie schützen das Fortbestehen. Denn Tannine schützen ihren Träger vor Fressfeinden.

Eigenschaften von Gerbstoffen

Gerbsäuren verfügen über sehr viele positive Eigenschaften, die sich auch der Mensch seit jeher zunutze macht. Den ursprünglichen Nutzen haben sie aber vor allem ihrem Träger - die Pflanzen.

Tannine bieten Schutz

Der Geschmack beim Verzehr wird durch die Gerbsäure herb, sie verursacht einen pelzigen Geschmack im Mund. Durch die Gerbsäure wehrt sich der Baum also gegen den Befall von Schädlingen. Gleichzeitig sind Tannine „Anti-Nährstoffe“: Sie wirken appetithemmend und vermindern die Aufnahme von Nährstoffen. Tanninhaltige Früchte werden deshalb von Tieren seltener gefressen, was durchaus im Interesse der Pflanze ist. Auch die Eiche, für die ihre Rinde eine überlebenswichtige Schutzhülle darstellt, schützt sich so vor hungrigem Wild.

Konservierende & antibakterielle Wirkung

Vielleicht fragst du dich, woher eigentlich der Name Gerbstoff stammt. Zum Gerben von Leder hat man früher Eichen- oder Birkenrinde hergenommen. Tannine beschleunigen nämlich den Abbau von Eiweiß bei Tierhäuten und sorgen dafür, dass Wasser aus den Zellstrukturen schneller verdrängt wird. Gleichzeitig besitzen sie eine antibakterielle und antivirale Wirkung, was Leder und Pelze – die ja als organische Stoffe sonst verfaulen würden – haltbar macht.

Tannine machen Holz haltbar

Auch bei der Nutzung von Holz sind diese Eigenschaften von Vorteil. Eichenbalken sind so widerstandsfähig, dass sie zum Beispiel selbst im Wasser als Brückenpfeiler über viele Jahrhunderte fungieren können. Massivholzmöbel sind auf natürliche Weise gegen Schädlinge geschützt, da Holzwürmer oder Käfer sie weniger befallen. Die lange Haltbarkeit von Eichenholz beruht also nur zum Teil auf der Härte des Holzes – auch die Tannine leisten ihren Beitrag. Und auch bei Produkten, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, ist diese natürliche antibakterielle Wirkung sehr nützlich: Schneidebretter aus Holz wesentlich hygienischer, als Bretter aus Kunststoff, die von Keimen nicht selten nur so übersät sind. Die keimabtötende Wirkung von Holzbrettern bleibt übrigens auch nach dem Spülen bestehen.

Chemische Reaktionen & Vermeidung

Beim zu feuchten Wischen von Eichenparkett können auf dem Wischtuch dunkle Ränder entstehen. Eine Metalldose hinterlässt einen hässlichen Ring auf der Eichentischplatte, wenn diese zum Beispiel nicht trocken ist. Und der feuchte Teebeutel, den wir auf der Küchenarbeitsplatte achtlos abgelegt haben, sorgt für einen braunen Fleck. Das ist kein Schmutz - diese Einfärbungen entstehen durch Tannine. Besonders intensiv reagieren Tannine mit Eisen: Galltinte heißt dann das Ergebnis, das früher als fälschungssichere Färbung für Urkunden verwendet wurde. Allerdings ist die Bildung von Flecken nur dann zu erwarten, wenn Feuchtigkeit mit im Spiel ist. Gerbstoffe reagieren also mit diversen Materialien - allerdings ausschließlich in Verbindung mit Nässe.

Was tun gegen Gerbsäureflecken?

Es kann natürlich immer mal passieren, dass man nicht an die Reaktionsfreudigkeit der Tannine denkt, wenn man etwas Feuchtes auf dem Holz abstellt. Wenn dann der Echtholzparkett oder die Eichenholzmöbel Flecken bekommen, sind diese in der Regel unerwünscht. Spezielle Reinigungsmittel oder Sprays mit dem Wirkstoff Oxalsäure schaffen dann Abhilfe. Ein sanfterer Weg ohne Chemie ist im Übrigen das nebelfeuchte Wischen mit Holzseife – was auch abseits von Fleckenproblemen eine schonende Reinigung von Eichenholzparkett und Massivholzmöbeln darstellt. Handelt es sich um punktuelle Verfärbungen, hilft vorsichtiges Nachschleifen mit feinem Schleifpapier und anschließendes Nachölen. Tipps hierzu findest du übrigens auch in unserem Wohnratgeber.

Oberflächenschutz für Holz

Generell gilt: Gut geschütztes Holz ist widerstandsfähiger gegen Flecken als unbehandeltes. Die Oberfläche von Massivholzmöbeln ist bestens geschützt, wenn sie mit Naturöl veredelt ist. Um die Wirkung des Öls auf dem optimalen Niveau zu halten, kann man etwa einmal im Jahr nachölen. So bleibt das Holz geschmeidig und fleckenfrei.

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