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Furnier

Furnier oder Massivholz? Das ist für viele eine Frage wie „Schein oder Sein“. Kaum ein Begriff birgt so viele Missverständnisse im Möbelbau.

Furnier ist nicht nur Kunststoff in Holzoptik. Es gibt ebenso Furnier aus Echtholz. Und mit Furnier werden sowohl minderwertige Spanplatten als auch Massivholzplatten beschichtet. Dem gegenüber steht ein handwerklich gefertigtes Massivholzmöbel: robust, formschön und fast für die Ewigkeit gefertigt.

Furnier ist eine „Sparversion“ von Massivholz

Das Wort „Furnier“ kommt vom französischen Verb „fournir“ und bedeutet „belegen“. Baumstämme werden in feine Blätter geschnitten, teilweise nur 0,5 mm stark. Mittels einer Furnierpresse klebt der Möbelbauer diese auf Platten. Die Kanten werden mit so genannten Umleimern beklebt: schmale Streifen aus Furnierholz.

Hochwertiges Furnier stammt von Edelhölzern. Obsthölzer wie Elsbeere kommen in Frage, da es aufgrund der geringen Stammstärke kaum zur Herstellung von Massivholzmöbeln dient. Sehr beliebt ist Eichenholzfurnier: jedoch eher als „Sparversion“, denn Eiche eignet sich exzellent für Massivholz-Möbelbau. Oder Mahagoni, das als Tropenholz nur begrenzt verfügbar ist. Dieser Markt wird heute in Europa streng kontrolliert. Tropenhölzer stammen zwar heute meist aus alten Beständen: Dennoch muss man sich dem Zweifel stellen, ob man sein Esszimmer mit einer geschützten Holzart ausstatten möchte.

Ein furnierter Esstisch ist empfindlicher als einer aus Massivholz

Eine Tischplatte kann furniert sein und interessante optische Facetten aufweisen – einerseits. Andererseits: Ein furnierter Esstisch hat Nachteile. Hochempfindlich etwa für Feuchtigkeit – schlimmstenfalls kann sich das Furnier wellen oder ablösen. Ein geöltes Möbelstück aus Naturholz dagegen bekommt vielleicht Flecken. Es kann jedoch immer wieder abgeschliffen werden. Um neu geölt oder lackiert werden. Bei einem furnierten Esstisch sind bei Kratzern oder Druckstellen schnell die Grenzen einer Aufarbeitung erreicht: Zum Abschleifen ist eine Furnierschicht meist zu dünn.

Bei großen Platten ist Einsatz von Furnier sinnvoll

Dennoch: Der Einsatz von Furnier hat in manchen Bereichen Berechtigung. Wer etwa eine moderne Küche mit großen Fronten beim Schreiner bestellt, kommt kaum um Mehrschichtplatten herum, da große Massivholzflächen zum „Verziehen“ neigen. Oder bei Musikinstrumenten: Die rustikalen steirischen Harmonikas mit ihrer wunderschönen Optik in Bergahorn oder Nussbaum – sie alle tragen in ihrem Herzen ein Sperrholzgehäuse. Ein Massivholzkasten würde die musikalische Arbeit mit feuchter Luft und mechanischer Belastung schnell übel nehmen und seine Form verlieren. Oder – in dicker Wandstärke gefertigt – dem Musikanten gewaltige Rückenschmerzen aufgrund des Gewichts bescheren. Doch für den täglichen Wohngebrauch hat sich Massivholz bewährt.

Furnierte Möbel sind schwer restaurierbar

Furnier ist übrigens keine Erfindung der Neuzeit. Bevor die Billigmöbelhäuser daran gingen, uns mit Edelholzimitaten eine Discount-Wohnkultur vorzugaukeln, hatten die Tischler des 19. Jahrhundert schon hochwertige Möbel unter Verwendung von Furnieren geschaffen: je nachdem, was die Kundschaft an Holzart wünschte. Solche Möbelstücke sind heute nur schwer restaurierbar, da eine Wiederbeschaffung passenden Furniers schwierig ist. Antike Massivholzmöbel dagegen bestehen bis in den Kern aus dem selben Holz.

Letztlich war und ist die Verwendung von Furnier – so edel das Holz dafür sein mag – immer ein Stück weit Täuschung. So wie der Stuckmarmor der Renaissance, der sich als Marmor ausgab – und doch nur Gips war. Ein Möbelstück aus Massivholz dagegen präsentiert sich mit seinen Jahresringen und Ästen als Naturprodukt. Das mit den Jahren und der Patina letztlich an Charakter gewinnt.

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